Studie mit Schweizer Beteiligung
Häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch belasten stärker als bisher angenommen

Häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch in der Kindheit können enorm gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit von Betroffenen haben. Das untermauert eine neue Studie mit Schweizer Beteiligung, die im Fachblatt «Nature Medicine» veröffentlicht wurde.
Publiziert: 11.12.2023 um 17:00 Uhr
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Aktualisiert: 11.12.2023 um 17:39 Uhr

Die gesundheitliche Belastung durch häusliche Gewalt oder sexuellen Missbrauch in der Kindheit könnten weitreichender sein als bisher angenommen. Darauf deutet eine am Montag im Fachblatt «Nature Medicine» publizierte Studie mit Schweizer Beteiligung hin.

Laut der Studie haben Frauen, die Gewalt in der Partnerschaft erlebt haben, ein um 63 Prozent höheres Risiko, an einer schweren depressiven Störung zu erkranken. Das Risiko für Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten ist bei Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben, um 35 Prozent erhöht.

20 Prozent der jungen Frauen erleben sexuellen Missbrauch

Sexueller Missbrauch in der Kindheit wurde in der Studie mit einem erhöhten Risiko für Alkoholmissbrauch (45 Prozent) und Selbstverletzung (35 Prozent) in Verbindung gebracht.

Häusliche Gewalt hat massivere Auswirkungen auf die Gesundheit von Betroffenen als bisher angenommen. (Symbolbild)
Foto: Keystone
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«Auch wenn unser Verständnis aufgrund der Datenknappheit nach wie vor begrenzt ist, sind diese gesundheitlichen Auswirkungen grösser und umfassender als bisher berichtet», schrieben die Autorinnen und Autoren in der Studie. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler plädieren dafür, diese Umstände ernst zu nehmen.

Weltweit habe eine von drei Frauen, die jemals in einer Partnerschaft war, im Laufe ihres Lebens häusliche Gewalt erlebt, hiess es in der Studie. Zudem hätten weltweit rund 20 Prozent der jungen Frauen und 10 Prozent der jungen Männer in ihrer Kindheit irgendeine Form von sexuellem Missbrauch erfahren.

«Weitere Anstrengungen zur Gewaltprävention und evidenzbasierte Ansätze, die die Heilung fördern und den Zugang zur Versorgung sicherstellen, sind notwendig», hiess es in der Studie.

Wissenschaftliche Literatur überprüft

Für die Untersuchung hat das internationale Forschungsteam unter Leitung der University of Washington (USA) systematisch die seit 1970 veröffentlichte wissenschaftliche Literatur überprüft. Beteiligt an der Forschung war auch Flavia Bustero (62) von der Fondation Botnar in Basel. Das Forschungsteam fand 229 Studien zum Thema, die sie analysierten.

Um genauere Aussagen treffen zu können, sei weitere Forschung zum Thema notwendig, so die Forschenden. Während ihrer anfänglichen Literaturrecherche identifizierten sie auch zusätzliche potenzielle Gesundheitsauswirkungen, darunter eine Verbindung von häuslicher Gewalt mit mütterlichen Bluthochdruck-Erkrankungen, die jedoch aufgrund mangelnder Evidenz nicht in die Metaanalyse aufgenommen werden konnten. (SDA)

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