Neuer MG4 Electric: Erste Fahrt im China-Stromer
Wie viel Wolfsburg steckt hier drin?

Längst drängen chinesische Automarken auch nach Europa. Mit der Marke MG will auch Chinas grösster Autobauer zu uns – und bedient sich beim MG4 Electric dabei eines europäischen Erfolgsrezepts.
Publiziert: 05.12.2022 um 18:43 Uhr
Stefan Grundhoff

Chinesische Autobauer können nur kopieren? Das war einmal. Mit Elektromodellen machen neue Marken und Konzerne den etablierten Herstellern in Europa Konkurrenz. Denn der Erfahrungsvorsprung von VW, Mercedes, Renault und Co. bei Verbrennern wird bei der Elektromobilität bedeutungslos.

MG ist schon in 20 europäischen Ländern am Start und lanciert jetzt den MG4 Electric. Und das Auto wirkt, als hätte MG-Konzernmutter SAIC in Wolfsburg abgeguckt: Karosseriekonzept, Grösse und sogar die Leistung der Topversion mit 204 PS (150 kW) entsprechen dem ID.3 von Volkswagen. Pikant dabei: SAIC baut in China für die deutsche Marke sogar deren Kompaktstromer! Die Zusammenarbeit rührt noch aus der Zeit, als europäische Autobauer zwingend ein Joint Venture mit einem lokalen Unternehmen eingehen mussten, wenn sie in China Autos bauen und verkaufen wollten.

Wer ist SAIC?

SAIC Motor ist Stand Februar 2024 der grösste Autobauer Chinas und die Nummer sechs im globalen Vergleich. Rund die Hälfte der Modelle werden von den Eigenmarken des Konzerns auf die Strassen gebracht und der Rest als Auftragsproduktion im Rahmen von Joint Ventures mit u.a. Volkswagen, Skoda und dem US-Konzern General Motors.

Zu den Tochtergesellschaften von SAIC Motor gehören unter anderem Maxus (in der Schweiz mit Nutzfahrzeugen vertreten), Wuling, Roewe (Nachfolger der britischen Traditionsmarke Rover) und MG.

Gegründet wurde das Unternehmen 1978 als Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC). Es beschäftigte 2021 rund 208'000 Mitarbeitende und erwirtschaftete einen Umsatz von umgerechnet fast 105 Milliarden Franken.

SAIC Motor ist Stand Februar 2024 der grösste Autobauer Chinas und die Nummer sechs im globalen Vergleich. Rund die Hälfte der Modelle werden von den Eigenmarken des Konzerns auf die Strassen gebracht und der Rest als Auftragsproduktion im Rahmen von Joint Ventures mit u.a. Volkswagen, Skoda und dem US-Konzern General Motors.

Zu den Tochtergesellschaften von SAIC Motor gehören unter anderem Maxus (in der Schweiz mit Nutzfahrzeugen vertreten), Wuling, Roewe (Nachfolger der britischen Traditionsmarke Rover) und MG.

Gegründet wurde das Unternehmen 1978 als Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC). Es beschäftigte 2021 rund 208'000 Mitarbeitende und erwirtschaftete einen Umsatz von umgerechnet fast 105 Milliarden Franken.

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Scharfes Design

Aber: Die Front des MG4 Electric wirkt schärfer und rasanter. Ähnliches gilt fürs Heck mit den schmalen LED-Leuchten. Der 4,29 Meter lange Fünfplätzer ist das erste MG-Modell auf der neuen SAIC-Konzernplattform MSAP. Im Unterschied zum deutschen Hauptrivalen kommt er nicht nur mit Heckantrieb, sondern nach dem Start später auch mit 4x4. Allerdings will VW in diesem Punkt auch schon 2023 nachziehen, wenn der ID.3 eine vorgezogene Modellpflege erhält.

MG gehört zu den jungen chinesischen Marken, die derzeit in Europa durchstarten – im Fall von MG schon in 20 Ländern.
Foto: MG Motor Deutschland GmbH/Marcus Werner
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Im Unterboden des MG4 steckt die mit elf Zentimetern Höhe flachste Batterie ihrer Klasse. Zur Wahl stehen zwei Pakete mit netto 51 oder 62 Kilowattstunden (kWh) Kapazität und damit 350 oder 450 Kilometern Reichweite. Die maximale Ladegeschwindigkeit gibt MG mit 135 Kilowatt an, was die Batterie von 10 auf 80 Prozent innert 35 Minuten erstarken lässt. Der Normverbrauch: 16,6 kWh auf 100 Kilometern.

Leichtfüssig und agil

Während das kleinere Akkupaket einen Elektromotor mit 170 PS (125 kW) versorgt, kommt der Testwagen mit der grossen Batterie und 204 PS (150 kW). Die Lenkung ist selbst bei höherem Tempo leichtgängig, aber präzise und schon in den ersten Kurven spürt man die neutrale Gewichtsverteilung von 50:50. Ausserdem gefallen der niedrige Schwerpunkt des knapp 1,7 Tonnen schweren MG4 und das geringe Fahrgeräusch. Ja, der MG4 Electric ist eher komfortabel als straff abgestimmt. Aber dennoch wirkt er einen Tick agiler und leichtfüssiger als sein VW-Pendant. So leichtfüssig, dass auf nassem Strassenpflaster das Heck ab und an ein Eigenleben entwickelt. Also Vorsicht mit dem Gasfuss.

MG4 Electric

Antrieb Elektromotor, 204PS (150 kW), 250 Nm@1/min, 1-Gang-Getriebe, Heckantrieb, Batterie 62 kWh (netto), max. Ladeleistung AC/DC 11/135 kW, Reichweite WLTP 450 km
Fahrleistungen 0–100 km/h in 7,9 s, Spitze 160 km/h (abgeregelt)
Masse L/B/H 4,29/1,84/1,50 m, Gewicht 1685 kg, Laderaum 350–1165 l
Umwelt WLTP-Verbrauch Werk 16,6 kWh/100 km (entspricht 1,8 l/100 km Benzin) = 0 g/km CO₂-Ausstoss lokal, Energie k.A.
Preis noch nicht bekannt

Antrieb Elektromotor, 204PS (150 kW), 250 Nm@1/min, 1-Gang-Getriebe, Heckantrieb, Batterie 62 kWh (netto), max. Ladeleistung AC/DC 11/135 kW, Reichweite WLTP 450 km
Fahrleistungen 0–100 km/h in 7,9 s, Spitze 160 km/h (abgeregelt)
Masse L/B/H 4,29/1,84/1,50 m, Gewicht 1685 kg, Laderaum 350–1165 l
Umwelt WLTP-Verbrauch Werk 16,6 kWh/100 km (entspricht 1,8 l/100 km Benzin) = 0 g/km CO₂-Ausstoss lokal, Energie k.A.
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Die Sitze im recht kargen Innenraum sind bequem, die Displays mit Diagonalen von 7 und 10,25 Zoll dürften gerne etwas grösser sein. In die Bedienung muss man sich ein wenig einfühlen – aber das ist ein typisches Testerproblem, wenn man ständig ein anderes Auto fährt. Die freischwebende Mittelkonsole bietet griffgünstig Platz für Smartphones und trägt sonst die Schalter von Gangwahlscheibe und Parkbremse. Das Platzangebot ist vorn wie hinten dank des Radstands von 2,71 Metern gut und der Laderaum fasst hinter der manuell zu bedienenden Heckklappe 350 bis 1165 Liter. Ein wirkliches Manko ist der Hartplastik-Charme von Cockpit und Türverkleidungen – da bieten viele andere Stromer hochwertigeres.

Und was kostet der MG4? Noch gibts gar keinen Vertrieb in der Schweiz, obwohl MG eigentlich bis Ende Jahr schon bei uns starten wollte – das wird wohl eher 2023. Aber beispielsweise in Deutschland wird der kleinste MG rund elf Prozent unter dem VW ID.3 eingepreist. Bleibt abzuwarten, wann es auch bei uns in der Schweiz losgeht.

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