Grosse Übersicht über 10 Jahre Schweizer Aktien
Hier hätten Sie Ihren Einsatz bis zu verzehnfacht!

Sie liefern Chips, Ventile, Schrauben oder Kunststoff: Die Topperformer auf dem Schweizer Aktienmarkt in den letzten zehn Jahren sind vor allem Zulieferer. An diesen hatten Anleger besonders viel Freude. Die Aktien legten um bis an die 1000 Prozent zu.
Publiziert: 30.12.2019 um 23:39 Uhr
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Aktualisiert: 19.08.2020 um 18:42 Uhr
Julia Fritsche
Julia FritscheWirtschafts-Redaktorin

Der grosse Gewinner der Schweizer Börse im vergangenen Jahrzehnt war ein Österreicher! Der Chiphersteller AMS aus der Nähe von Graz (A) sorgte für das farbigste Kursfeuerwerk bei uns im Land. Die Titel des Apple-Zulieferers kletterten bis zum Auswertungsstichtag Anfang Dezember um 1005,2 Prozent in die Höhe. Konkret: Wer vor zehn Jahren an der Schweizer Börse 1000 Franken in die Ösi-Firma investierte, hat heute rund 11'000 Franken.

Bei AMS steht seit 2016 Alexander Everke (56) als CEO an der Spitze. Das Unternehmen lebt vom Smartphone-Boom. So ist die Technik der Österreicher etwa für die Gesichtserkenntnis bei iPhones von Apple verantwortlich. Aber auch in Android-Smartphones stecken Teilchen von AMS. Schliesslich finden Sensoren aus der Steiermark auch Verwendung in der Automobil- und Medizinalbranche.

Zuletzt waren die Österreicher durch den Übernahmekampf um Leuchtenhersteller Osram in den Schlagzeilen. Anleger sind vorerst skeptisch, ob sich der Zukauf lohnt. Das kostete AMS an der Börse in diesem Dezember ein paar Kursprozente.

Das österreichische Unternehmen AMS ist der beste Wert an der Schweizer Börse im vergangenen Jahrzehnt. Wer investiert hat, kann sich über ein Kursplus von 1000 Prozent freuen. Auch wem AMS nichts sagt, dürfte die Produkte kennen. In Smartphones stecken ihre Chips.
Foto: AMS
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Die Überflieger-Aktie AMS gehört zu einer Auswertung der St. Galler Kantonalbank (SGKB) und ihrem Anlagechef Thomas Stucki (56). Er hat die Tops und Flops der letzten zehn Jahre der Schweizer Börse für BLICK zusammengetragen.

«Es war das Jahrzehnt der Technologiewerte», fasst Stucki das Resultat zusammen. Denn nicht nur die Aktie von AMS entwickelte sich stark, sondern auch jene von Inficon, Comet, Interroll, Bossard und Belimo. Den letzten Platz in den Top Ten holt sich schliesslich die Aktie von Ems-Chemie. Das freut nicht nur Anleger, sondern auch Chefin und Grossaktionärin Magdalena Martullo-Blocher (50).

Zusammen belegen die Tech-Firmen die Ränge zwei bis fünf, acht und zehn unter den Überfliegeraktien des breiten Markts SPI.

Emmi verkauft sich top

Gemeinsam haben die Unternehmen neben dem Börsenerfolg auch, dass ihre Namen weniger geläufig sind als ihre Produkte. Denn ihre Teile und Teilchen stecken etwa in Smartphones, in Parfumverpackungen, in Autos wie Tesla oder als Klimaventil in der Wohnung. Ziemlich sicher kommt jeder Schweizer im Alltag irgendwie mit AMS, Ems oder Bossard in Berührung.

Als Einzelfälle bezeichnet Stucki die übrigen drei Gewinner-Firmen. «Emmi ist sicher auch ein Marketingerfolg», erklärt der Aktienexperte das Börsenplus von über 600 Prozent beim Milchverarbeiter aus Luzern. «Es ist Emmi gelungen, ihre Milchprodukte als Lebensphilosophie zu vermarkten. Das macht aus dem grundsoliden Wert einen Überflieger.»

An Sika prallt alles ab

«Der Überraschungswert ist für mich Sika», sagt Stucki. War der Bauchemiezulieferer doch zuletzt vor allem durch mediales und gerichtliches Hickhack aufgefallen. Über drei Jahre lang versuchte der französische Konzern Saint-Gobain, die Zuger zu übernehmen – mithilfe der Erbenfamilie. «Die negative Berichterstattung hat dem Ruf des Unternehmens offensichtlich nicht schaden können. Da sind die sehr guten Produkte dann doch wichtiger für den Aktienkurs.» Hier stimmt die Chemie ganz offensichtlich.

Nerven aus Stahl waren aber im vergangenen Börsen-Jahrzehnt auch bei den Überfliegern gefordert. Denn während am Ende ein dickes Plus zu Buche schlägt, gings in der Zwischenzeit zum Teil heftig auf und ab. Nicht zuletzt bei der Gewinner-Aktie AMS. Deren Anleger dürften noch immer dem Frühjahr 2018 nachtrauern. Dann nämlich waren ihre Aktien 121.20 wert – so viel wie nie zuvor und danach. Inzwischen steht der Kurs «nur» noch bei rund 40 Franken. Der richtige Moment – zum Ein- und Aussteigen – ist an der Börse Gold wert!

Strahlendes Gold, aufregender Bitcoin

Am Aktienmarkt gabs dieses Jahr viele Gewinner. Doch wie erging es Anlegern, die Aktien links liegengelassen haben? Wer auf Gold gesetzt hat, glänzt Ende des Jahres goldig. Das Edelmetall hat im Verlauf des Jahres um 15 Prozent zugelegt. Allerdings liegt der Kilopreis aktuell rund 2500 Franken unter dem Höchststand vom Herbst.

Bei Bitcoin mussten Anleger auch 2019 eine Achterbahnfahrt mitmachen. Seit Anfang Jahr legte der Kurs zwar 105 Prozent zu. Rund 7500 Dollar kostet ein Bitcoin aktuell. Im Juni aber die Kryptowährung noch das Doppelte wert. Die Differenz vom Höchst- zum Tiefststand 2019: fast 11'000 Dollar.

Bewegung war auch im Dollar drin. Der Kurs schwankte zwischen 0.9659 Franken und 1.0237 Franken. Übers Jahr gesehen war der Dollar aber stabil. So liegt der Kurs aktuell nur 0,15 Prozent tiefer als am 1. Januar 2019. (jfr)

Am Aktienmarkt gabs dieses Jahr viele Gewinner. Doch wie erging es Anlegern, die Aktien links liegengelassen haben? Wer auf Gold gesetzt hat, glänzt Ende des Jahres goldig. Das Edelmetall hat im Verlauf des Jahres um 15 Prozent zugelegt. Allerdings liegt der Kilopreis aktuell rund 2500 Franken unter dem Höchststand vom Herbst.

Bei Bitcoin mussten Anleger auch 2019 eine Achterbahnfahrt mitmachen. Seit Anfang Jahr legte der Kurs zwar 105 Prozent zu. Rund 7500 Dollar kostet ein Bitcoin aktuell. Im Juni aber die Kryptowährung noch das Doppelte wert. Die Differenz vom Höchst- zum Tiefststand 2019: fast 11'000 Dollar.

Bewegung war auch im Dollar drin. Der Kurs schwankte zwischen 0.9659 Franken und 1.0237 Franken. Übers Jahr gesehen war der Dollar aber stabil. So liegt der Kurs aktuell nur 0,15 Prozent tiefer als am 1. Januar 2019. (jfr)

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Alles steht und fällt mit einem Produkt

Die erfolgreichen Zuliefererfirmen stehen in einer starken Abhängigkeit – mit den Abnehmern, aber auch dem Wirtschaftsklima. «Es kann deshalb bei solchen Aktien auch in Zukunft zu starken Einbrüchen kommen. Langfristig ist die Prognose aber gut, denn die Firmen sind zukunftsgerichtet. Auch das nächste Jahrzehnt wird der Technologie gehören.» In ein breit abgestütztes Anlage-Portfolio gehören deshalb für Stucki neben den Schwergewichten wie Nestlé oder Pharma auch Tech-Werte.

Eine Lehre für Anleger sind laut dem Anlagechef der SGKB auch die Verlierer des Schweizer Aktienmarkts. «Diese Firmen sind oft eine Wette auf ein einziges Produkt. Das kann gut gehen, aber auch im Totalverlust enden. Das ist das Wesen einer Wette.» Er empfiehlt Anlegern, allzu kleine Firmen vorsichtig anzufassen. Und wenn überhaupt nur sehr beschränkt in diese zu investieren.

Nicht aufgegangen ist die Wette bisher bei den Biotechfirmen Addex Therapeutics, Kuros Biosciences und Relief Therapeutics Holding. Grundsätzlich aber bewegten sich diese Firmen in einer modernen Branche, so Stucki. Es sei deshalb nicht auszuschliessen, dass sich der Erfolg noch einstellen werde.

Anleger sind ihr Geld los

Einen Fast-Komplettverlust müssen auch die Anleger der LumX Group beklagen. Dahinter steckt eine Investgesellschaft mit Sitz in Nyon VD. Ihr schillernder Kopf: Arpad Busson (56) – Ex-Partner des Supermodels Elle Macpherson (55) und der Schauspielerin Uma Thurman (49). Der Hedgefonds-Manager kämpft derzeit ums Überleben seiner Firma. Am Aktienmarkt ist der Kampf entschieden: LumX-Titel sind schon seit zehn Jahren wenig bis nichts wert. Anleger dürften ihr Geld schon abgeschrieben haben.

Für Grossbanken-Aktien ein Jahrzehnt zum Vergessen

Die Börse sorgt für Gewinner und Verlierer. Das ist auch beim wichtigsten Index der Schweiz, dem SMI, nicht anders. Keine Jubelschreie stossen die Anleger der Grossbanken Credit Suisse und UBS aus. Umstrukturierungen, Entlassungen, Sparmassnahmen und neue Chefs – und trotzdem finden die Aktienkurse der Banken nicht aus ihrem tiefen Tal. Übers Jahrzehnt gesehen verliert die UBS fast 9 Prozent, die Credit Suisse sogar 65,2 Prozent.

Immerhin: Auch an der Börse stirbt die Hoffnung zuletzt. Wer dabei geblieben ist, zählt vielleicht im nächsten Jahrzehnt zu den Gewinnern. Ein Hoffnungsschimmer kommt von Analystenseite. Die Hälfte rechnet mit einer positiven Entwicklung bei der CS-Aktie. Am optimistischsten ist der Experte von Goldman Sachs. Er sieht das Kursziel 34 Prozent höher. Noch hoffnungsvoller sind die Analysten bei der UBS. Zweidrittel sehen die Aktie auf Wachstumskurs – bis zu 48 Prozent zulegen könnten die Titel gemäss ihren Prognosen.

Auch mit Kursplus bei den Verlierern

Die starke Entwicklung des SMI sorgt dafür, dass neben den beiden Banken nur noch Zementriese Lafarge-Holcim ein negatives Börsen-Jahrzehnt hinter sich hat. Mit einem Plus von immerhin 19, respektive 42 Prozent gehören Swatch und Adecco aber ebenfalls noch zu den schlechtesten fünf Werten der Periode 2010-2019.

Auch der SMI hatte seine Überflieger. Allen voran Sika. Der Bauchemiekonzern ist die Nummer Eins im SMI. Mit rund 655 Prozent gings steil nach oben für die Titel. Stark auch die weiteren Spezialitätenchemie-Werte: Lonza-Anleger können sich über ein Plus von 482 Prozent freuen, die vom Riechstoffkonzern Givaudan über 354 Prozent. Schliesslich war es kein Fehler auf Versicherungen zu setzen. Sowohl Swiss Life wie auch Swiss Re zeigten ein starkes Jahrzehnt. Julia Fritsche

Die Börse sorgt für Gewinner und Verlierer. Das ist auch beim wichtigsten Index der Schweiz, dem SMI, nicht anders. Keine Jubelschreie stossen die Anleger der Grossbanken Credit Suisse und UBS aus. Umstrukturierungen, Entlassungen, Sparmassnahmen und neue Chefs – und trotzdem finden die Aktienkurse der Banken nicht aus ihrem tiefen Tal. Übers Jahrzehnt gesehen verliert die UBS fast 9 Prozent, die Credit Suisse sogar 65,2 Prozent.

Immerhin: Auch an der Börse stirbt die Hoffnung zuletzt. Wer dabei geblieben ist, zählt vielleicht im nächsten Jahrzehnt zu den Gewinnern. Ein Hoffnungsschimmer kommt von Analystenseite. Die Hälfte rechnet mit einer positiven Entwicklung bei der CS-Aktie. Am optimistischsten ist der Experte von Goldman Sachs. Er sieht das Kursziel 34 Prozent höher. Noch hoffnungsvoller sind die Analysten bei der UBS. Zweidrittel sehen die Aktie auf Wachstumskurs – bis zu 48 Prozent zulegen könnten die Titel gemäss ihren Prognosen.

Auch mit Kursplus bei den Verlierern

Die starke Entwicklung des SMI sorgt dafür, dass neben den beiden Banken nur noch Zementriese Lafarge-Holcim ein negatives Börsen-Jahrzehnt hinter sich hat. Mit einem Plus von immerhin 19, respektive 42 Prozent gehören Swatch und Adecco aber ebenfalls noch zu den schlechtesten fünf Werten der Periode 2010-2019.

Auch der SMI hatte seine Überflieger. Allen voran Sika. Der Bauchemiekonzern ist die Nummer Eins im SMI. Mit rund 655 Prozent gings steil nach oben für die Titel. Stark auch die weiteren Spezialitätenchemie-Werte: Lonza-Anleger können sich über ein Plus von 482 Prozent freuen, die vom Riechstoffkonzern Givaudan über 354 Prozent. Schliesslich war es kein Fehler auf Versicherungen zu setzen. Sowohl Swiss Life wie auch Swiss Re zeigten ein starkes Jahrzehnt. Julia Fritsche

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Ein Exot auf der Verliererliste ist Schmolz + Bickenbach. Weder klein noch jung, kämpft der Stahlriese aus der Zentralschweiz zurzeit um den Fortbestand und die Aktionäre gegeneinander. Eine Kapitalerhöhung soll die Rettung bringen.

Wer bisher weder das grosse Aktienlos gezogen, noch sein ganzes Geld in den Sand gesetzt hat, kann weiter hoffen. Geld bleibt günstig und kaum ein Weg führt an Aktien vorbei. Und schliesslich gehören alle Schweizer zu den Gewinnern eines boomenden Aktienmarkts. Unabhängig ob sie selbst Geld anlegen, tun dies ihre Pensionskassen für sie.

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