Was heisst das für Koller?
Der FCB träumt vom Zeidler-Fussball

Der FC Basel will sich mittelfristig wie Ajax Amsterdam oder Red Bull Salzburg aufstellen. Wird eine Vertragsverlängerung von Marcel Koller daher unwahrscheinlich?
Publiziert: 04.02.2020 um 00:25 Uhr
|
Aktualisiert: 04.02.2020 um 09:59 Uhr
Andreas Böni

Sie sitzen warm eingepackt auf der Tribüne. FCB-Verwaltungsrat Karl Odermatt und die Besitzer Bernhard Burgener und David Degen schauen hilflos und sichtlich geschockt zu, als der FC St. Gallen den ehemaligen Serien-Meister demontiert und am Ende mit 2:1 siegt. Es ist die dritte Niederlage in Serie.

Und jetzt fragt sich die ganze Fussball-Schweiz: Was bedeutet das für Basel-Trainer Marcel Koller? Unmittelbar ist er nach BLICK-Informationen trotz fünf Punkten Rückstand auf Leader St. Gallen und Meister YB nicht gefährdet.

Aber dass sein Vertrag, der sich nur beim Erreichen des Meister-Titels im Sommer automatisch um ein Jahr verlängert, schon frühzeitig angepasst wird, rückt in immer weitere Ferne. Gerade, nachdem Verwaltungsrat Odermatt den Trainer kritisiert hatte: «Ich erwarte, dass gegen St. Gallen etwas vom Trainer kommt. Sonst haben wir die grössten Probleme.»

Tempofussball: St. Gallen erdrückt den FCB beim Direktduell am vergangenen Sonntag zeitweise.
Foto: Andy Mueller/freshfocus
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Topmoderner Fussball als Ziel

Dazu muss man wissen: Hinter den Kulissen träumt man beim FC Basel davon, mittelfristig ähnlich wie Red Bull Salzburg, RB Leipzig oder Ajax Amsterdam aufgestellt zu sein. Mit einer einheitlichen Spielphilosophie im ganzen Klub. Offensiv, mit viel Tempo, mit aggressivem Gegenpressing. Topmoderner Fussball.

Und mit vielen jungen Spielern, die man früh an allen Orten dieser Welt entdeckt hat und die diese Spielart verinnerlicht haben. Oder anders gesagt: Man möchte so spielen, wie es St.-Gallen-Trainer Peter Zeidler die ganze Saison und vor allem am Sonntag in Basel tat. Ja, Basel träumt vom Zeidler-Fussball!

Die grosse Frage ist daher, ob für diese neue Idee Koller der richtige Mann ist. Er steht für Verlässlichkeit, soliden und robusten Fussball. Aber in der Welt der Red-Bull-Philosophie sind mehrheitlich die sogenannten Laptop-Trainer am Ruder. Es ist eine neue Generation zwischen 30 und 50, die da heranwächst – von Julian Nagelsmann (32, RB Leipzig) über Marco Rose (43, Gladbach) bis Erik ten Hag (50, Ajax) oder Jesse Marsch (47, Red Bull Salzburg).

Einer, der diese Luft schnupperte, ist eben Zeidler. Er ist zwar 57 Jahre alt – aber war bei Red Bull Salzburg und bei Hoffenheim, einem anderen Vorzeige-Betrieb des modernen Fussballs.

Basel, YB oder Bundesliga

Zeidler wird zwangsläufig in Basel zum Thema wie auch bei YB, falls Gerardo Seoane im Sommer in die Bundesliga wechselt. Die Frage ist, ob er diesen Zwischenschritt braucht oder direkt in die höchste deutsche Liga geht. Vielleicht bleibt er aber auch lieber im gemachten Nest in St. Gallen mit den Vertrauten Matthias Hüppi und Alain Sutter.

Und ebenso klar ist: Auch U18-Trainer Alex Frei (41) wird in Basel auf der Liste stehen. Er schliesst im Sommer seine Trainer-Ausbildung ab. Er wolle «schnellen, aggressiven und ehrlichen Offensivfussball mit viel Laufbereitschaft», sagte er einst im BLICK. «Mir gefällt der Stil von Marco Rose bei Gladbach oder die Philosophie von Jürgen Klopp. Angriffspressing, Vollgas.» Fussball, den man sich in Basel sehnlichst wünscht.

So machen Basel und YB St. Gallen zum Meister!

Ein Kommentar von Michael Wegmann

Peter Zeidler fliegt mit dem ­offensiven Power-Fussball seiner Rasselbande durch die Liga. Der FC St. Gallen spielt beim 2:1 den FCB an die Wand und sich auf den Thron.

Die Konkurrenz träumt vom Zeidler-Fussball und St. Gallen vom Titel. Und was macht «Peter der Grosse»? Zeidler kokettiert, redet alles klein, sagt, dass man nun den Liga­erhalt geschafft habe.

Dabei ist dem ehemaligen ­Gymi-Lehrer sehr wohl auch bewusst, dass nach 20 Runden kein Team zufällig ganz oben steht. Ab sofort sind die jungen St. Galler nicht mehr Jäger, sondern Gejagte.

Doch warum sollten Babic, ­Itten, Quintilla und Co. mit ­dieser Rolle nicht ebenso gut zurechtkommen und sensationell zum Titel sprinten?

Ja, warum auch nicht? Immerhin scheint sogar die Konkurrenz aus Bern und Basel mit­zuhelfen. Denn sowohl YB wie auch der FCB geben ihre gefährlichsten Waffen ab. Sie verkaufen mitten im Meisterkampf ihre Offensiv-Raketen!

Der FCB lässt sein grösstes Juwel – Flügel Noah Okafor – nach Österreich ziehen. Und YB gibt seinen Wirbelwind und Unruhestifter Roger Assalé nach Spanien ab.

Beide hätte man bis im Sommer binden müssen. Denn ohne Okafor und Assalé werden der FCB und YB leichter auszurechnen und um ­einiges langsamer sein.

Verlieren sie durch die Abgänge gar so viel Tempo, dass sie mit Zeidlers Vollgas-Fussball nicht mehr Schritt halten können? Nicht nur vorstellbar. Sondern gut möglich.

Ein Kommentar von Michael Wegmann

Peter Zeidler fliegt mit dem ­offensiven Power-Fussball seiner Rasselbande durch die Liga. Der FC St. Gallen spielt beim 2:1 den FCB an die Wand und sich auf den Thron.

Die Konkurrenz träumt vom Zeidler-Fussball und St. Gallen vom Titel. Und was macht «Peter der Grosse»? Zeidler kokettiert, redet alles klein, sagt, dass man nun den Liga­erhalt geschafft habe.

Dabei ist dem ehemaligen ­Gymi-Lehrer sehr wohl auch bewusst, dass nach 20 Runden kein Team zufällig ganz oben steht. Ab sofort sind die jungen St. Galler nicht mehr Jäger, sondern Gejagte.

Doch warum sollten Babic, ­Itten, Quintilla und Co. mit ­dieser Rolle nicht ebenso gut zurechtkommen und sensationell zum Titel sprinten?

Ja, warum auch nicht? Immerhin scheint sogar die Konkurrenz aus Bern und Basel mit­zuhelfen. Denn sowohl YB wie auch der FCB geben ihre gefährlichsten Waffen ab. Sie verkaufen mitten im Meisterkampf ihre Offensiv-Raketen!

Der FCB lässt sein grösstes Juwel – Flügel Noah Okafor – nach Österreich ziehen. Und YB gibt seinen Wirbelwind und Unruhestifter Roger Assalé nach Spanien ab.

Beide hätte man bis im Sommer binden müssen. Denn ohne Okafor und Assalé werden der FCB und YB leichter auszurechnen und um ­einiges langsamer sein.

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