Bundestagswahl
Schulz weist Merkel «grosse Verantwortung» für AfD-Ergebnis zu

Berlin – SPD-Chef Martin Schulz hat Kanzlerin Angela Merkel am Wahlabend scharf angegriffen und sie für das starke Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl verantwortlich gemacht. «Ich glaube, dass Frau Merkel einen Wahlkampf geführt hat, der skandalös war.»
Publiziert: 24.09.2017 um 21:53 Uhr
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Aktualisiert: 12.09.2018 um 07:05 Uhr

Das sagte Schulz am Sonntagabend in der sogenannten Elefantenrunde von ARD und ZDF mit Spitzenvertretern aller in den Bundestag eingezogenen Parteien. Merkel habe sich der politischen Debatte und einer Konfrontation entzogen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt dem SPD-Vorsitzenden Martin Schulz vor einer TV-Runde nach der Bundestagswahl die Hand. Im anschliessenden Gespräch hat Martin Schulz Angela Merkel scharf angegriffen und sie für das starke Abschneiden der AfD verantwortlich gemacht.
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AfD nutzte Merkel-Vakuum aus

«Diese systematische Verweigerung von Politik hat ein Vakuum entstehen lassen, das die AfD teilweise geschickt gefüllt hat», warf Schulz der Kanzlerin vor. «Ich glaube, dass Frau Merkel eine grosse Verantwortung dafür trägt.» Die Verluste der Union seien eine «verdiente Niederlage» dafür.

Die SPD fährt bei den Bundestagswahlen in Deutschland eine schwere Schlappe ein. Die Partei zieht daraus die Konsequenzen und will in die Oppositon gehen.
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Schulz bezeichnete das starke Abschneiden der rechtspopulistischen AfD als bedrückend. Mit ihr werde erstmals eine rechtsextreme Partei in Fraktionsstärke in den Bundestag einziehen. «Das ist eine Zäsur, und kein Demokrat kann darüber einfach hinweggehen», sagte Schulz am Sonntagabend.

Welche Koalitionen sind wahrscheinlich?

Schulz bekräftigte, dass er die künftige Rolle seiner Partei in der Opposition sieht. «Und zwar in einer Opposition, die sehr konstruktiv, aber auch sehr hart sein wird.»

Das Ende von GroKo

Die grosse Koalition sei abgewählt. Die SPD werde ihre Verantwortung in der geschäftsführenden Regierung noch wahrnehmen, bis eine neue Regierung im Amt sei - aber «keinen Tag mehr, denn diese Regierung ist abgewählt».

Kommt es zum Jamaika-Bündnis?

Wenn die SPD in die Opposition geht, ist rechnerisch als künftiges Regierungsbündnis nur eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen möglich. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner betonte: «Wir sind nicht zum Regieren verdammt, aber wir sind natürlich bereit, Verantwortung zu übernehmen.» Die klare Absage der SPD an eine neue Regierungsbeteiligung kritisierte der FDP-Chef scharf.

FDP und CDU kritisieren Schulz

Lindner warf Schulz eine «Fortsetzung des Wahlkampfs» vor. «Es geht darum, die Stabilität der Bundesrepublik Deutschland in aufgeregten Zeiten in Europa und der Welt zu sichern», sagte Lindner. «Und da prüfe sich bitte jeder sorgfältig, welchen Beitrag er dazu leisten kann und welche Rolle er einnimmt.» Er wolle nicht zulassen, «dass die SPD allein darüber entscheidet, wer jetzt in eine Regierung gezwungen wird oder nicht».

Auch Merkel kritisierte, dass Schulz eine Koalition kategorisch ausschloss. Es gebe rechnerisch zwei Möglichkeiten für eine Regierung, auch für die grosse Koalition, hob Merkel hervor. Die Union werde auf die einzelnen Parteien zugehen - ob die SPD wirklich nicht für Gespräche zur Verfügung stehe, könne ja am Montag noch einmal geklärt werden.

Deutschland hat gewählt: Die Christdemokraten von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben die Bundestagswahl nach ersten Hochrechnungen der deutschen Fernsehsender gewonnen.
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Deutschland braucht Konfrontation

Schulz wies jedoch die Aufforderung zurück, doch noch über den Eintritt in eine Koalition zu verhandeln. Die SPD werde einer Jamaika-Koalition «in scharfer Opposition entgegentreten», kündigte er an.

«Unsere Aufgabe ist es, in Deutschland eine Konfrontation herzustellen, die dieses Land dringend braucht.» Ein Bündnis zwischen Union, Grünen und FDP werde Deutschland wahrscheinlich «in eine Lähmung führen».

Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sagte, ihre Partei wolle «nicht auf jeden Fall» regieren. Die Situation sei sehr «schwierig und kompliziert». Der Einzug der AfD in den Bundestag bedeute für alle Demokraten, «dass sie sich Verantwortung stellen». Das könne aber keine Ergebnisse von Koalitionsgesprächen vorwegnehmen.

AfD droht mit Kampfansage

Die AfD ihrerseits machte nach dem guten Abschneiden ihrer Partei eine Kampfansage an die künftige Bundesregierung. «Wir werden sie jagen», sagte Spitzenkandidat Alexander Gauland am Sonntag in Berlin. Die Partei wolle sich «unser Land und unser Volk zurückholen».

Die neue Bundesregierung «kann sich warm anziehen», sagte Gauland. «Wir werden die Regierung vor uns hertreiben», fügte er unter dem Jubel der versammelten Parteianhänger hinzu. «Wir werden dieses Land verändern», sagte der stellvertretende Parteivorsitzende. Die AfD wolle sich dafür einsetzen, «dass das, was die Menschen auf der Strasse denken, im Bundestag wieder eine Rolle spielt».

Kanzlerin Merkel bezeichnete den Einzug der AfD in den Bundestag als «grosse Aufgabe». Sie wolle die Wähler der AfD zurückgewinnen, sagte Merkel am Sonntagabend in der CDU-Parteizentrale in Berlin.

Die Ergebnisse des Bundestagswahl 2017

  • Nach dem vorläufigen Endergebnis fiel die Union auf ihr schwächstes Ergebnis seit 1949: 33 Prozent (2013: 41,5).
  • Die SPD stürzte auf ein Rekordtief von 20,5 Prozent (25,7).
  • Die AfD, 2013 noch knapp gescheitert, legt mit 12,6 Prozent auf knapp das Dreifache zu (4,7).
  • Die FDP kehrt mit 10,7 Prozent in den Bundestag zurück (4,8).
  • Die Linken verbuchen 9,2 Prozent (8,6), die Grünen 8,9 (8,4).

Mit 709 Abgeordneten ist der Bundestag in der neuen Wahlperiode so gross wie nie zuvor. Die Sitzverteilung sieht nach Angaben des Bundeswahlleiters so aus:
CDU/CSU: 246 Mandate

  • SPD: 153
  • AfD: 94
  • FDP: 80
  • Linke: 69
  • Grüne: 67
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